Firmengründer
Wolfgang Schubert: Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Ein Artikel über Wolfgang Schubert, die KDS-Entwicklung und den Weg zur hochautomatisierten Werkzeugfertigung.
Einstieg
Was haben BMW, Mercedes, Audi, VW, Opel, Blaupunkt, Pelikan, Siemens, ABB, das Fraunhofer-Institut, Klockner-Moller, Harding, Elektro-Jung und Airbus gemeinsam?
Richtig! Sie haben mit Wolfgang Schubert und der KDS Radeberger Präzisions-Formen- und Werkzeugbau GmbH zusammengearbeitet.
"In einer Zeitung hieß es damals: High-Tech für den Airbus aus dem Keller."
Firmenbeschreibung
Die KDS Radeberger Präzisions-Formen- und Werkzeugbau GmbH wurde 1991 gegründet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt bei der Entwicklung, Konstruktion und Herstellung von Präzisionswerkzeugen. Dabei spielen die Spritzgieß- und Druckgusswerkzeuge die entscheidende Rolle.
KDS bietet den Bau von Spritzgieß-, Druckguss- oder Prototypenwerkzeugen – von der Konstruktion bis zum Musterteil alles aus einer Hand.
Flexibilität am Markt und eigene Entwicklungen in der Werkzeugfertigung sorgen für ständige Innovationen im Bereich Entwicklung und Produktion. Eigene Forschungen und Kreationen werden auf dem Gebiet der kunststoffverarbeitenden Industrie realisiert.
Lebenslauf und Unternehmerweg
"Ein einziges Mal sah ich meinen Vater. Und dieser Augenblick ist auf dem Foto festgehalten."
Bevor Wolfgang Schubert nach der Wende die KDS aufbaute, erlebte er die Kehrseite der DDR. Er war kein Pionier, kein FDJ'ler, nicht in der SED, dafür aber Wehrdienstverweigerer.
"Ich war nicht bei den Pionieren. Ich war nicht in der FDJ. Ich war nicht in der SED. Ich habe den Wehrdienst verweigert. Die Stasi hat mich 8 Monate inhaftiert."
1957 begann er seine Lehre bei ROBOTRON in Radeberg. Als damals rund 300 Lehrlinge verabschiedet wurden und sich „freiwillig" zum Wehrdienst melden sollten, war er einer von dreien, die Nein sagten. Er wurde strafversetzt. Später stieg er dennoch zum Projektleiter bei ROBOTRON auf.
1971 schloss er sein Studium ab und war über 15 Jahre ehrenamtlicher Dozent für Numerik und Automatisierung in Eilsleben und Görlitz.
In der DDR war er ein Gegner. Er widersetzte sich dem permanenten Druck, in die SED einzutreten. Daraufhin wurde er 8 Monate inhaftiert und 42 Mal verhört. Die Stasi warf ihm vor: „Die Hälfte von ROBOTRON hört schon auf Sie."
Dank des Mauerfalles blieb ihm eine 10-jährige Inhaftierung erspart. Stattdessen gründete er gemeinsam mit den auf Messen kennengelernten Herren Kralmann und Dietzel am 01.02.1990 die KDS. Heute ist er alleiniger Eigentümer.
Fragen & Antworten
Frage: Was bezeichnen Sie als das Schlüsselerlebnis zu Ihrem Erfolg?
„Ich habe ein Prinzip: Ich träume von einer schwarzen Fabrik. Keine Menschen. Nur Maschinen. Die Maschinen müssen das Geld verdienen. Automatisierung. Wir haben immer nach dem Neuesten geschaut. Um an der Spitze des Know-how zu sein. Deshalb ist unsere Arbeit so schwer. Weil wir immer Unikate herstellen. Mit etwas Gebrauchtem können wir keine Weltklasse liefern. Es muss immer das Neueste sein. Wie die Maschine, die gerade eben geliefert wird. Das ist wieder eine automatisierte Maschine mit Robotern. Jedes Auto hat seinen Rhythmus: Nach sieben Jahren muss ein Neues kommen. Ich habe immer zu meinen Jungs gesagt: Wir kaufen nichts Gebrauchtes. Es muss das Neueste sein."
Frage: Was war die schlimmste Krise Ihrer Laufbahn?
„Ich kann Ihnen sagen: Wir haben noch nie rote Zahlen geschrieben. Das ist ein Zeichen, dass es immer funktioniert hat. Wir haben die Krise 2008/09 gut geschafft. Gerade jetzt zeichnet sich wieder eine kleine Delle ab. Als Werkzeugbauer sind wir die ersten, die das mitbekommen. Wir merken, wenn etwas neu kommt. Wenn ein neues Auto kommt, so sehen wir das fünf Jahre vorher."
„Lehrgeld haben wir auch in unserer Entwicklungsarbeit gezahlt. Beispielsweise haben wir Implantate für Zähne aus Titan entwickelt. Da steckte viel Forschung drin. Der Zahnarzt aus der Schweiz hat dann unser Know-how genommen und sich selbst Maschinen hingestellt. So geht es in der Wirtschaft zu."
„Oder 1957, da sollte ich gezwungen werden, Flugzeugbauer zu werden. Dort habe ich schwer zu kämpfen gehabt, denn ich wollte einfach nicht. Durch mein Hobby als Libero im Fußball hatte ich jedoch gute Kontakte. Das hat mir geholfen, meinen Traum, Werkzeugbauer zu werden, zu verwirklichen."
Frage: Was ist Ihre Botschaft an die folgende Generation?
„Man möchte nicht mehr gerne arbeiten. Man möchte viel Geld verdienen. Der große Trend: Sich nicht mehr die Hände schmutzig machen. Das zeigt sich bei den Lehrlingen. Man findet keine Fachkräfte mehr. Die Jugendlichen, die aus den Schulen kommen, müssen erst einen Beruf lernen. Sie wissen nicht, wie Hammer und Zange aussehen. Nur Theorie im Kopf bedeutet, man ist unbrauchbar."
Frage: Was war die größte Leistung Ihrer Vorfahren?
Meine Oma als auch mein Opa waren talentierte Kunstmaler. Deshalb hieß es auch bei mir während der Schulzeit: Du wirst Kunstmaler.
Frage: Wieviel Zeit investieren Sie jeden Tag in Ihre Arbeit?
Oh. Das ist viel. Unsere Mindestarbeitszeit ist von 6 bis 18 Uhr. Meine Frau ist jeden Tag mit hier. Wir sind nun 50 Jahre verheiratet. Und mein Sohn ist auch jeden Tag dabei. Und meine Tochter. Sie haben die Firma zu gleichen Teilen übernommen.
Branchen und Schwerpunkte
- Elektrotechnik
- Automobilindustrie
- Wissenschaftlicher Gerätebau
- Lebensmittel- und Verpackungsindustrie
- Luft- und Raumfahrt
- Medizintechnik
- Prototypenfertigung
Biografoskop
Name: Wolfgang Schubert
Unternehmen: KDS Radeberger Präzisions-Formen- und Werkzeugbau GmbH
Gründung: 01.02.1990
Branche: Präzisionswerkzeuge, Automatisierung, Prototypenfertigung
Prägender Leitsatz: "Ich träume von einer schwarzen Fabrik."
Familie: Seit 50 Jahren verheiratet, Familie aktiv im Unternehmen
Arbeitsalltag: Mindestarbeitszeit von 6 bis 18 Uhr
Werte: Fortschritt, Eigenentwicklung, Spitzen-Know-how, Praxisorientierung

Ein einziges Mal sah Wolfgang Schubert seinen Vater. Dieser Augenblick wurde auf diesem Foto festgehalten (links seine Mutter).

2v.l.n.r. Tochter Peggy, Sohn Thomas, Wolfgang Schubert, Sohn Mario und Frau Monika.

Nach Firmengründung am 01.02.1991 wurde aus einem Keller in Radeberg heraus gearbeitet.

Nach Firmengründung am 01.02.1991 wurde aus einem Keller in Radeberg heraus gearbeitet.

Die erste Belegschaft von damals ist jetzt auf über 40 Mann gewachsen.

Nach Firmengründung am 01.02.1991 wurde aus einem Keller in Radeberg heraus gearbeitet.

Der Standort in Großröhrsdorf.

Zwei Generationen KDS: links Thomas Schubert und ganz rechts sein Vater Wolfgang Schubert.